Axel, ich kann dir nur beipflichten. Ich musste lernen, mich auch wieder wertzuschätzen, das war das aller Schwerste für mich. Ich habe mich lange Zeit immer hinten an gestellt, weil ich dachte, ich bin es nicht Wert. Jeder ist es wert, beachtet oder gar geliebt zu werden.
Beiträge von ginopilo
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ok, Fritz-51, dann schreibe ich gerne weiter für Dich. Es soll ja auch schließlich helfen, hier zu sein, auch im Hohen Alter lernt man nicht aus. Meine heutige Devise ist recht simpel. Ich versuche aus Allem das Positive zu ziehen. Jeder sollte sich nicht verstecken, sondern das Erreichte, trotz wirdriger Umstände in sich sehen. Ich schrieb ja bereits, beim Heimkoller war es besonders schlimm, oder wenn ich meinen Vater nicht sehen dürfte. Hier gab es Strafen, wenn ich mich dennoch mit ihn traf. Es kümmerte mich aber nicht, war er doch mein einziger Bezug zur Welt da draußen. Es gab ein Erlebnis als Kind, was ich nicht vergessen werde. Ich war bereits Heimkind und hatte Geburtstag. Er wollte mich unbedingt sehen und hatte eine Puppe für mich dabei. Er hat die ganze Nacht vor dem Heim verbracht, nur um mich zu sehen, und mir die Puppe zu übergeben. Für mich war er der Held. Das ist Ausdauer, und nicht aufgeben. Das habe ich von ihm gelernt.
Seppel hat es auch in manchen Antworten und Treads geschrieben, man nimmt eine Menge mit, aus den Heimen, wo man war. Nicht alles war gut, aber jedes hatte auch was für sich. Für meine erste Wohnung fürte ich ein Haushaltsbuch, denn ich war erst in der Lehre und hatte keine Ahnung von Geld. Hier kam es zu Gute, dass man Diziplin gelernt hatte, denn nur mit eiserner Diziplin habe ich es geschafft, keine Schulden zu haben. Viele junge Menschen heutzutage haben Schulden, bis über beide Ohren. Auch mein Vater pflegte stets zu sagen, was ich mir nicht kaufen kann, kann ich mir nicht leisten, dann muss ich sparen. Simpel, aber richtig. Dort lernte man Ordnung. Ja, schön ist es nicht, wenn dir dein Schrank ausgekippt wird, weil nicht alles in Falte liegt, oder das Bett wieder rausgerissen wird, oder man mit einer Zahnbürste als Kind, das WC schruppen muss, oder wie in Alt-Stralau in einen Eimer machen muss. Das alles härtet aber ab, man ist nicht mehr so empfindlich im Leben. Sicher die Kränkungen und Schläge hinterlassen tiefe Narben, manch einer schafft es nicht, aber ich halte nichts davon, mich ewig zu bedauern, nur weil es man nicht so "Harmonisch" war. Hierdurch lernte ich, wieder aufzustehen, ist wie bei Kleinkindern, die fallen hin, schauen sich die Wunden an und laufen gleich weiter. Sicher, kein so schöner Vergleich, aber dennoch zutreffend. Für mich war dies Anlass genug, keine Unordnung, in meinem Leben zuzulassen. Schläge, wenn ich das heute höre, dann wissen viele nicht, was wirkliche Schläge sind. Ich kann mit Stolz sagen, dass ich gegen meinem Kind nie die Hand erhoben habe, weil ich eben wusste, was es auslösen kann. Strenge heißt nicht, gleich auszuholen, die kann man auch anders anwenden. Dranbleiben, nerven, sich selber mit dem Kind hinsetzen, weil man weiß, wie es einem als Kind selber gefehlt hat. Bildung, extrem wichtig, denn heutzutage ist das keine Bildung mehr, oh Gott, wenn ich die Jugend von heute sehen, sträuben sich mir die Haare. Die lernen doch nichts mehr. Gino musste jeden Tag eine Stunde verwenden, um sich auf den nächten Tag in der Schule vorzubereiten. Gelernt Heim, weitergabe an Kind, völlig automatisch. Ordnung der Schultasche, jeden Tag kontrolle von mir, gelernt wo, Heim, denn nur so kann ich doch sicher gehen, dass er im Untericht mitarbeiten kann. Was habe ich mit ihm geübt, bei Diktaten, oder schriftlich rechnen, aber heute versteht er es. Heute wälzen die Eltern so viel auf die Lehrer und Behörden ab, geht gar nicht, in meinen Augen. Oder Anstand, Edikette, Benehmen, der Drill, so schwer er auch war, hat bei mir bewirkt, dass ich Leuten heute anders begegne. Gino hat ein sehr gutes Benehmen für sein Alter. Es sind die kleinen Dinge. Guten Tag, oder auf Wiedersehen, Bitte, Danke, eine Frage nicht mit was ist, sondern mit wie bitte beginnen. Jemanden ausreden lassen, überlegen, bevor man den Mund aufmacht. Kinder lernen solche Sachen heute nicht mehr.
Hunger zu verspüren, heißt heute, "oh ich ess das nicht". Was wirklicher Hunger ist begreifen viele nicht, weil sie es nicht mitgemacht haben. Für mich stand Gino immer an erster Stelle, ohne ihn zu verwöhnen. Mit 6 musste er lernen sein Zimmer aufzuräumen, Schuhe zu putzen, mit einzukaufen, im Haushalt zu helfen, kochen lernen, denn er sollte Selbstständigkeit lernen. Er hatte einen struktuierten Tagesplan, denn ich hatte diesem dort gelernt. Zeitmanagement ist heute oberwichtig. Nicht alles auf den letzten Drücker zu machen, oder lange auf die Bank schieben. Termine einzuhalten. Durch unseren straffen Plan dort, hat man das übernommen. Und nicht zu vergessen, er selber ist für sich verantwortlich, nicht die anderen. Niemand schenkt einen was, er muss dafür arbeiten. Durch das Heim habe ich gelernt zu spraren. Gino wollte ins Ferienlager fahren. Wenn man alleine verdient, ist es schwierig, also habe ich mit ihn vereinbart, er sucht sich einen Ferienjob. Dann bekommt er die Hälfte von mir, aber er muss auch etwas dafür tun. Verantwortung und er weiß es dann mehr zu schätzen. Kinder schätzen heute nichts mehr, für viele ist es selbstverständlich, ich muss das haben, also nehme ich es mir, oder ich bekomme es. Natürlich lernte er dadurch auch mit Geld umzugehen. Man muss auch nicht jeden Firlefanz haben. Der Konsum ist heutzutage erschreckend. Wir sind mit wenigen Sachen auch ausgekommen, deshalb waren wir aber nicht unglücklicher, sondern haben gelernt, freue dich, über das, was du hast, und es ist nicht auf Pump, sondern, du konntest es bezahlen, und es gehört dir alleine.
Egal, wie man es dreht, die Zeit war schlimm, aber sie hat uns geformt, und jeder selber muss mit sich ausmachen, was mache ich daraus. Selbstmitleid hilft da nicht. Den Teufelkreis muss man durchbrechen. Auch hier wieder, der Umgang formt den Menschen. Ich befasse mich selten mit Menschen, welche einen schlechten Einfluss auf mich ausüben. Es zieht einen runter. Ziele stecken, auch wenn sie noch so klein sind. Der Erfolg dessen, baut einen auf, und man wird selbstbewusster und traut sich beim nächten Mal mehr zu. Niederlagen kann man besser wegstecken, wenn man viel Misserfolge in der Vergangheit hatte, denn sie haben einen nicht umgebracht, sondern nur stärker. Ich habe den Kontakt zu meinen Geschwistern komplett abbrechen müssen, weil es mir nicht gutgetan hat. Jetzt fast 10 Jahre später kann ich es aber nicht bereuen, denn es war notwendig. Der älteste ist schwer alkoholabhänig, die anderen leben nur in der Vergangenheit, das hilft mir nicht weiter, bringt mich nicht vorwärst.
Die Mantren in meinem Leben sind im Ursprung der Heimaufenthalte zu finden. Für ein Kind ist es nicht schön, wenn die Kindheit grausam verläuft, man ohne Eltern aufwächst. Natürlich gab es Momente, wo ich gewünscht habe, man wäre es jetzt toll, einen elterlichen Rat zu bekommen, oder eine Schulter zum Anlehnen zu haben, den Schutz. Meine Erziehung war genau darauf ausgerichtet, Gino hatte Schutz, Geborgenheit und elterliche Ratschläge, bis zum Abwinken, auch wenn er es manchmal nicht hören wollte. Ich werde nicht vergessen, als er mal zu mir sagte: "Mama, ich glaube du hattest Recht". Heimerziehung hat immer zwei Seiten.
Weißwasser dagegen war Zwang, dokrtien, und großes Unrecht. Dafür stehe ich jetzt, denn ein Kind, weil es mit 12, eigentlich verarbeiten muss, dass es nie wieder nach Hause darf, eine Adoption, welche unter Zwangs stattgefunden hat, den leiblichen Vater nicht sehen darf, Verhaltesauffälligkeiten negativ auszulegen, anstatt zu helfen, darf niemals verjähren und sollte unter massiver Strafe gestellt werden.
Morgen gerne weiter.
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Was mir sehr geholfen hat bei der Aufarbeitung war mein jetziger Mann. Ich habe früher Tagebuch geschrieben, um nicht zu vergessen. Dann wollte ich nur noch vergessen, aber man kann es versuchen zu verdrängen, es holt einen immer wieder ein. Für meinen Mann war es ein echter Schock. Er, Einzelkind, Mutter Kindergärtnerin, Vater arbeitete beim Sandmann, und dann kommt eine Straßengöre und schnappt sich deren Sohn. Oh, das Theater kann man sich nicht ausmalen. Es gab immer dieses Stigma von früher, Heimkinder sind dreckig und klauen nur, eh, was hatte ich für einen Spaß, der Mutter von meinen Mann zu begegnen. Einzig, sein Vater, war ohne Vorurteile. Weihnachten 2001. Mein Mann nimmt mich das erste Mal mit zu sich nach Hause. Das Gesicht der Mutter, mehr als abweisend, göttlich kann ich dir sagen. Der Vater nahm mich einfach in den Arm und sagte: "komm mein Mädchen, du bist jetzt eine von uns". Ich war sprachlos. Jetzt 23 Jahre später haben wir so ein tolles Verhältnis, ich nenne sie Mama und Papa, aber es stört sie nicht. Alle Widerstände zum Trotz, das war die Mühe wert. Ich musste so viel mit mir alleine ausmachen, alles abwägen, keinen Rat, oder keine Zustimmung für irgendetwas. Fragen dich denn deine Tochter danach, oder dein Enkel?
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Sicher mag es traurig erscheinen, aber haben wir nicht auch die Aufgabe, nicht nur zurück zu blicken, denn meiner Ansicht nach, sollte man doch gerade, wenn man so etwas erlebt hat, sein Augenmerk auf die Zukunft richten. Unsere Kinder lernen von uns. Wenn wir nur in der Vergangenheit leben, sie nicht reflektieren, dann können wir sie nicht verarbeiten und auch nichts wissenswertes an unsere Kinder weitergeben.
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Jetzt beim Nachlesen, ist da so vieles, was einen wieder einfällt. Es war sicherlich vieles, was nicht gut war, gerade manche Erziehungsmaßnahmen. Im Fritz-Weineck hatte ich aber die Möglichkeit, nicht komplett eingesperrt zu sein. Wenn ich als Kind den sogenannten Heimkoller hatte, habe ich mich immer gefragt, was aus mir geworden wäre, wenn ich im Elterhaus verblieben wäre. Kein Schulbildung, kein Essen, oder Trinken, kein Dach übern Kopf. Dort gab es Taschengeld, ich konnte Geld ansparren für meine erste Wohnung. Die Geburstagsgeschenke suchte ich mir so aus, was ich für eine Wohnung brauchte. Klar wird man schneller erwachsen, aber es formt einen. Man hat ja nur sich, da steht keiner neben dir und sagt dir, was wichtig ist. Hier habe ich gelernt, nur du kannst dir helfen. Verlasse dich auf niemanden, sonst bist du verlassen. Als Kind betrachtet man es auch immer wieder von der Sicht aus, hätte man je eine Chance gehabt. Heute kann ich sagen, nein, das führt unweigerlich zum Untergang. Die Unterbringung dort, war richtig, aber eben nicht die Zwangsverlegung nach Weißwasser. Ich war 12, keine Kriminelle, oder gemeingefährlich, das war unrecht.
Nach dem Heimaufenthalt bekam ich meine erste Wohnung in Lichtenberg. Kontakt zu Ehemaligen, hatte ich nur zu einer Person. Leider ist diese in meinen Armen, auf Grund von Drogen, gestorben. Sie war meine einzige "echte" Freundin. Selbst nach einen Entzug von ihr, welchen ich mit Hilfen von Ärzten begleitete, ist sie rückfällig geworden. Die Ausbildung, die ich ihr besorgte, fing sie zwar an, aber dann, sie hatte es eben nicht geschafft. Danach gab es niemanden mehr, zu dem ich wirklich eine engere Bindung aufgebaut habe, oder auch wollte, außer zu meinem jetzigen Mann, aber auch er musste mächtige Felsen aus dem Weg räumen. Wir sind jetzt schon 23 Jahre zusammen. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich heute die bin, die ich jetzt bin. Hier ist der Spruch: "Umgang formt den Menschen", echt wörtlich zu nehmen.
Aus heutiger Sicht, hatte ich sehr großes Glück, meinen Sohn zu bekommen, denn er zwang mich damals mit 20 Jahren umzudenken. Als ich erfuhr, dass ich schwanger war, wusste ich sofort, ich werde nicht, wie meine Eltern. Das wurde dann auch mein Mantra, über die Jahre, denn ich wollte keinen Fehler machen. Man setzt sich dadurch auch ziemlich unter Druck, den ich wirklich auch spürte, bis ich wusste, jetzt ist er alt genug und auch selbstständig. Zu der Zeit, war ich noch in der ersten Ausbildung. Ich konnte sie noch beenden, denn ohne Schulabschluss, kannste dich gleich begraben. Heute habe ich drei Berufe. Wenn ich dann immer zurückblicke, bin ich doch immer wieder erstaunt. Meine Erzieherin Frau Milde, hat viele Gespräche mit mir führen müssen. Einen Satz von ihr, den ich nie vergessen habe, lautete: "Solange ich noch mit dir rede, bin ich interessiert". Nach der Rückkehr aus Weißwasser, war ich dermaßen außer Kontrolle, aber sie gab mich nie auf. Das prägt einen auch, durch die Heimzeit. Niemals aufgeben, wenn man will, dann kann man alles schaffen.
Ich war eine sehr strenge Mutter. Also, nicht mit Drohung, oder Schläge, denn mein innerstes sagte immer, wer anfängt zu schlagen, hört auf zu denken. Nein, schulisch musste er viel erdulden, denn für ihn standen alle Türe offen, und er sollte etwas machen, was ihm wirklich gefiel. Ordnung, Sauberkeit und Selbstständigkeit waren für mich wichtig. Jeglicher Alkohol und jegliche Drogen, waren im Haus verboten. Wenn ich heute so Kinder sehe, mit ihren Eltern, wird mir grausig und ich kann es nicht ertragten, wenn sich viele hinter ihren Kindern verstecken, aber ihnen nichts beibringen. Schon bei dem Ausdruck "Generation Z", wird mir übel. Gino ist heute 30 Jahre alt und steht mit beiden Beinen im Leben. Ich war nicht die typische Mutter, aber wenn ich ihn jetzt sehe, denke ich, es war schon irgendwo richtig. Es war nicht immer leicht. Kinder gehören gefördert und gefordert. Hier die richtige Mischung zu finden, kann einen schon manchmal an die Grenzen bringen, aber wenn er als Kind lächelte, wusste ich, dass ist dein Lohn.
Natürlich habe auch ich schlechte Entscheidungen getroffen, was manche Männer angeht, aber wenn kein richtiges Elternhaus vorhanden ist, dann muss das nicht verwundern. Zum Vater von Gino kann ich nur sagen, es war gut, dass er von ihm nichts wusste. Ich hatte ihn mit 16 kennengelernt. Keine Ahnung, und davon ganz viel, verfiel ich auf den Typus Mann, Maurer, groß, und nicht zu vergessen, Trinker. Schule gerade beendet, Grenzen wurden geöffnet, es war spannend für mich. Die erste Zeit ging auch alles gut. Selbst die Heimleitung fand den Kontakt gut. Arbeit und eigenes Einkommen, klinkt ja auch nicht schlecht. Was keiner wusste, dass er auch Drogen nahm. Da kam ich das erste Mal damit in Berührung. Rückblickend bin ich froh, dass ich nicht in Versuchung geraten bin. Kann aber auch daran liegen, dass durch die Sucht, meiner Erzeugerin, schon die innere Stimme gesagt hat, nein, dass wirst du nie tun. Wenn ich mir überlege, im Heim habe ich mit 10 angefangen zu rauchen, der erste Alkohol wurde mit 11 getrunken, oh je. Die Trennung war nicht sehr schön. Er prügelte mich ins Koma und ich brachte ihn dafür 8 Jahre in den Knast. Rache ist süß, es war mir ein Vergnügen. Da war für mich auch klar, soetwas passiert dir nie wieder. Neues Mantra. Von Gino erfuhr ich erst, da war ich schon im vierten Monat. Die Angst, dass er was abbekommen hatte, war groß, aber ich hatte Glück, er war gesund, hatte nix, was an einen Jungen nichts zu suchen hatte.
Im Heim hatte ich immer den Wunsch, Anwalt zu werden, um mich für andere einzusetzen, welchen Unrecht widerfuhr. Heute bin ich froh, dass ich es nicht gemacht habe, was für ein Graus. Da ich nicht studieren dürfte, habe ich nach der Wende, den Bereich Recht noch einmal aufgegriffen und habe eine Ausbildung als ReNo gemacht. Heute hilft es mir, da ich vieles alleine machen kann, nicht auf solche Gauner, wie Anwälte angewiesen bin. Es gibt eben Anwälte, und es gibt eben auch andere Anwälte. Jeder Anwalt ist so gut, wie seine ReNo, aber heute sind es ausschließlich Aasgeier, die viel Unrecht bringen. Witzig fand ich, als ich meinen Akten las, da stand geschrieben, ich wollte Heimerziehr werden. Ich musste so lachen. Ich kann mich nicht im Entferntesten daran erinnern, den Wunsch je verspürt zu haben. Das Lügengerüst der Jugendfürsorge, war grenzenlos, denn weiter hinten fand ich meinen Antrag zum Jurastudium, der vom Jugendamt abgelehnt wurde. Das Wunschdenken der Leute muss so ein großes Ego gehabt haben, oh man, aber, es war sehr witzig.
Ich war mir nicht sicher, aber ich habe nicht gedacht, dass ich so viel schreiben würde. Vielleicht liegt auch daran, dass ich heute vieles mit anderen Augen sehe, keine Ahnung. Später mehr dazu.
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Hallo, da bin ich wieder. Ich versuche mal von Vorne an.
Das Heim bestand aus 7 Etagen. Unten befand sich der Fürsorgebereich, der Essensaal. Ab der 3 Etage, waren die ganz kleinen untergebracht, so ab 3 Jahren. Wenn ich mich recht entsinne, ab der 4 Etage, waren Schulkinder untergebracht. Die Gruppenstärke belief sich ca. auf 10-16 Kinder. Es waren gemischte Gruppen. Die 5 Etage waren Kinder ab 12 Jahren. Auch spielten die Schulklassen eine Rolle. In der 6 Etage, waren die Kinder ab der 7. oder 8. Klasse untergbracht. Ganz oben in der 7. Etage, eben Lehrlinge und alles kurz vor dem 18. Lebensjahr. Insgesamt waren glaube ich 260 Kinder in dem Heim untergebracht.
Alle Kinder besuchten eine öffentliche Schule in der Nähe vom Heim. Soweit ich mich erinnere, hatte meine Klasse, bis, bevor ich in das SKH nach Weißwasser kam, keine Ahnung, dass ich im Heim war, da ich versuchte, immer für mich zu bleiben. Es gab ein großes Aufsehen, deswegen, da es niemand aus der Schule verstanden hatte. Es gab die typischen Abläufe im Heim. 6:00 Uhr wecken, dann Frühstück und ab zu Schule. In der Mittagspause konnten wir immer Mittag im Heim essen, da die ja nicht weit weg war. Nachmittag Hausaufgaben, die typische Ämterverteilung und Freitag immer die Großreinigung. Die Freizeit war unterteilt in AG´s, Sport und eigener Freizeitgestaltung. Natürlich mussten wir jeden Abend die aktuelle Kamera schauen, und es gab eine Tagesauswertung. Nachtruhe war eigentlich immer gegen 20 Uhr.
Ab der 5 Etage, war ich dann mit meiner Schwester Manuela in einem Zimmer untergebracht. Das lief nie lange gut, wir lagen uns ständig in den Haaren, da sie eine absolute Schl.. war. Sauberkeit und Körperpflege, kam in ihrem Wortschatz irgendwie nicht vor. Schlussendlich war ich dann irgendwann alleine im Zimmer, und ich war froh darüber, endlich Ordnung und Sauberkeit. Der Kontakt, oder die Beziehung zu Manuela und Andreas, der älteste, waren jetzt nicht so eng, lag wohl auch daran, dass wir alle unterschiedliche Väter hatte, ja ,meine Mutter war fleißg. Eine feste Bindung hatte ich mehr zu Jens-Uwe, Dagmar und Günther. Es hatte mir das Herz gbrochen, als Jens-Uwe adoptiert wurde. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mit Jens-Uwe im Eingang saß, die neuen Eltern kamen, würdigten mich keines Blickes, sagte auch kein Wort, schnappten sich den Jens-Uwe, und weg war er. Ich glaube, hier war der Zeitpunkt, wo ich als Kind anfing zu rebelieren. Ich war immer gegen eine Adoption eingestellt, weil ich ja zu dem Zeitpunkt noch dachte, wir können wieder nach Hause. Dass es eine Zwangsadoption war, erfuhr ich erst aus den Akten. Oktober 1985 wurde meiner Mutter das Sorgerecht entzogen. Wir erfuhren erst davon im Januar 86. Das war dann auch die Zeit, wo ich als Kind austickte, und schon im Mai 86 wurde der Antrag auf Verlegung gestellt, nach Weißwasser.
Da meine anderen Geschwister woanders untergebracht waren, hatten wir anfänglich so gut, wie keinen Kontakt. Meist nur, wenn all Jährlich die Sportfeste mit allen Heimen, welche ich, wenn ich mich richtig erinnere, immer in der Wuhlheide, stattfanden. Dann verbrachten wir den ganzen Tag zusammen. Meine Schwester Dagmar, war von beginn bis Ende in Makarenko untergebracht, da die eine leichte Behinderung hatte. Meine Mutter war betrunken die Treppen runtergefallen, und Dagmar kam mit blauen Kopf zur Welt. Bei Günther war es glaube ich eine Lese-rechtschreibschwäche.
Die Einweisung ins Heim erfolgte auf Veranlassung des Jugendamtes, da laut Unterlagen, meine Erzeugerin nicht in der Lage gewesen ist, sich um 6 Kinder zu kümmern. Sie war eine Trinkerin und war eine Arbeitsbummelantin, daher auch später das Berlinverbot für sie. Sie hat es vorgezogen, sich dem Suff zu ergeben und ihre Kinder im Stich zu lassen. Ihre Republikflucht im Suff, nahm sie ohne ihre Kinder vor, ungeachtet der Konsequenzen für uns alle. Sie kann froh sein, dass sie bereits gestorben ist. Was ich da in den Akten gefunden habe, ich dachte, so etwas kann man doch nicht auf die Menschheit los lassen. Für sie waren immer die anderen Schuld, aber selber bei sich zu suchen kam ihr gar nicht in den Sinn.
Ich habe heute zu Frauen allgemein, eine sehr gespaltene Meinung. Die Ausreden von damals haben heute viele Frauen übernommen, nur dass diese auch noch staatliche Unterstützung finden. Alles haben und keine Verantwortung übernehmen wollen. An dieser Stelle entschuldige ich mich bei Allen, die sich auf den Schlips getreten fühlen, aber das ist meine Erfahrung welche ich im laufe der Jahre mit Frauen gemacht habe. Viele, ich betone, nicht alle, sondern viele, sollten gar keine Kinder bekommen dürfen. Heute sind doch Kinder nur noch eine gut gehende legalisierte Geldquelle, mehr nicht. Viele Frauen sehen sich nicht in der Lage, oder kommen mit der Aussage, na der Staat muss mich unterstützen, bullschitt kann ich dazu nur sagen. Ich bin davon überzeugt, dass man vieles heute nicht machen sollte, damit die Frauen sich darauf besinnen, was eine Kindererziehung ausmacht, nicht nur Handy´s und Konsum, sondern die Bedürfnisse der eigenen Kinder, aber lieber gefällt man sich darin die Frauen und Mütter zu streicheln. Aber egal, ich schweife ab.
Aus den Unterlagen von der Jugendfürsorge weiß ich, dass mein leiblicher Vater Bemühungen anstrebte, alle Kinder aus dem Heim zu bekommen. Er war kein Heiliger, aber er hat es zumindest versucht. Er erfuhr von dem Sorgerechtentzug, aus dem Knast. Ich hoffe, jetzt durch die Akteneinsicht bei der Stasi, mehr darüber zu erfahren. Er war glaube ich zweimal in Haft. Hier liegt mir ein Brief von ihm vor, da war er in dem Knast Schwarze Pumpe und wiedersprach schriftlich der Scheidung. Auch hier hatte er keine Chance, die Scheidung wurde rigoros vom Gericht vollzogen und er hatte keine Chance, auch nur einen Hauch vom Sorgerecht zurück zu bekommen. Mein Vater starb, da war ich fast 14. Ich erfuhr es erst, nachdem ich aus Weißwasser zurück kam. Ich dürfte ja keinen Kontakt zu ihm haben. Es war niederschmetternd. Als ich aus Weißwasser zurück kam, war ich eher noch schlimmer drauf, wie ich vorher war. Ich erfuhr, dass ich nicht studieren darf. Jetzt war mir alles egal. Mein Notendurchschnitt von 1,9 verschlechterte sich innerhalb von 6 Monaten auf einen Notendurchschnitt von 5. Die Erzieher betrachtete ich nur noch als Werkzeug, bestimmt für meine Zwecke. Ich gab ihnen die Schuld, für den ganzen Schlamassel, also reagierte ich nur noch agressiv. Das Verhältnis zu meinen ältesten Bruder Andreas war schon vorher nicht rosig, da er mich versuchte mit 12 zu verprügeln. Ich war in der Zeit viel mit Damar und Günther zusammen. Zusammen waren wir immer die 3 Musketiere.
Heute mit 50 jahren, kann ich vieles mit anderen Augen betrachten. Ok, mehr bringe ich heute, glaube nicht zustande. Für heute ist genug dazu.
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Ich war hier von März 80 bis Juli 81, laut meiner Jungendamtsunterlagen. Vielleicht war ich noch zu klein, aber ich habe so gut, wie keine Erinnerungen mehr daran.
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Hallo, ich habe dort fast meine ganze Kinderheit verbracht. Wegen "Vernachlässigung" wurde ich von Alt-Stralau im Juli 81 überführt. Bis 86 war ich dann dort und wurde, wegen "Verhaltensauffälligkeiten" nach SKH Weißwasser verlegt. Im August 88 wurde ich dann wieder zurück in das Kinderheim verlegt. Dort verblieb ich dann bis ich 18 jahre wurde. Ich war damals mit noch 3 weiteren Geschwistern (Manuela, Andreas und Jens-Uwe) dort untergebracht. Der jüngste (Jens-Uwe) wurde durch eine Zwangsadaption (er war erst 3) an eine treue DDR Familie vermittelt. Seit dem habe ich auch nichts mehr von ihm gehört. Meine beiden anderen Geschwister (Günther und Dagmar) wurden in das AS Makarenko in Schöneweide untergebracht. Ein paar Namen fallen mir hierzu noch ein. Frau Schmidt, extrem streng und hat auch des öfteren mal ausgeholt. Herr Hauck, der dann eine Beziehung mit Frau Kleinert anfing. Frau Milde war meine Erzieherin, Frau Nickolov, die war echt witzig, ständig mit Lederhosen. Frau Riemann, extrem nett, die musste dann gehen, weil sie nicht in die Partei wollte. Dann gab es da einen Junden, der sich aus der 7 Etage gestürzt hatte, weil er mit 18 entlassen werden sollte. Frau Jokscheis war glaube ich die Tante von der Jugendfürsorge im Heim. Frau Trittel die Direktorin. An eine Nachtwache kann ich mich noch erinnern. Es war eine ältere Dame mit Glasauge. Mit ihr habe ich stundenlang zusammen gesessen in der Nacht, wenn ich mal wieder nicht schlafen konnte. Frau Beermeyer, es gab da sehr viele. Zuerst war ich in der 4 Etage untergebracht, da die Etage nach Alter aufgeteilt waren. Später kam ich dann in die 5 Etage, Gruppe 5. Tja, da kommen echt Erinnerungen hoch. Ich denke ich mache später weiter, ist etwas viel. Bis vor einer Woche dachte ich, man festigt sich mit dem Alter, aber im Moment..., ich weiß nicht, ob das so gut war, hier her zu kommen.
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Hallo, ich war in der Zeit von 86 bis 88 im SKH Weißwasser. Ich heiße Kathrin. Gehasst habe ich Frau Schack, der ist sehr oft die Hand ausgerutscht. Frau Gröscho war meine Erziehrin, so weit ich weiß. Selbst wenn die Zigaretten haben wollte, musste die immer einen Ausweiß vorlegen. Gemocht habe ich Frau Poindl, die war richtig super nett, nur leider für die Jungsgruppen zuständig. Ich glaube der Biolehrer hieß Stracke oder so, der war auch noch nett. Ich habe sehr guten Kontakt mit Marco W.
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In Alt Stralau war ich zwei Mal. Als Kind hat mich meine Mutter nicht vom Kindergarten abgeholt, also wurden wir da hingebracht. Es war schrecklich. Beim zweiten Mal war ich 12, da hieß es erst unten Keller, dann Haare schneiden, baden, ab in die Gruppe. Wenn Nachts die türen verschlossen wurden, war es am schlimmsten. Man konnte nirgens hin, und das ständige putzen, oh, es war echt schlimm. Wenn ich da heute immer vorbei fahre. Manchmal hat man das Gefühl, man wird die Erinnerungen nie los.
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Ich war 1986 da, wegen der Überführung nach SKH Weißwasser, fast einen Monat. Ich kann mich erinnern, dass ich von Durchgangsheim Alt Stralau mit einen Barkas dort hin gefahren wurde. Weder Reden noch sonst was, war erlaubt. Die Scheiben waren verdunkelt, dass man auch ja nicht sehen konnte, wohin es ging. Für mich war das sehr beängstigend zu dem Zeitpunkt. Laut den Akten war ich damals 12 Jahre alt.